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26. September 2014

Wenn der Muskel die Sehne überholt

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Beide Strukturen passen sich unterschiedlich schnell der Belastung an

Die Verbindung zwischen Muskeln und Knochen wird durch Faszien hergestellt, indem die Faszien sich in Form von Sehnen am Knochen befestigen. Jede Sehne unseres Körpers ist folglich eine Faszie .
Aber auch alle gelenkstabilisierenden Bänder gehören zur Familie der Faszien . Galten früher die Muskeln als das Organ, das die Kräfte auf den Knochen übertrugen, so muss dies heute revidiert werden. Faszien ( z. B. Sehnen ) übertragen also Kräfte auf unser Skelett und nehmen demnach eine sehr wichtige Funktion im aktiven Bewegungsapparat ein und sind somit häufiger von Beschwerden betroffen. Warum?
Sehnen sind ein bradytrophes Gewebe. Bradytroph bedeutet gering ernährt. Meniskus, Bandscheiben und Knorpel sind ebenfalls Beispiele für gering ernährte Gewebearten.

Wie viele Menschen gibt es mit Bandscheiben -, Meniskus - und Sehnenprobleme ? Viele.
Die tägliche Praxis zeigt es immer wieder, dass diese Strukturen durch unseren Lebensstil häufig überlastet werden. Gering ernährte Strukturen bilden immer eine Schwachstelle und brauchen im Sport und nach Verletzungen eine längere Anpassungszeit wie z. B. das Herz-Kreislaufsystem oder die Muskulatur.
Hier einige Beispiele für die Geschwindigkeit der Anpassung unterschiedlicher Organsysteme bzw. unterschiedlicher Trainingsformen.
Die allgemeine aerobe dynamische Ausdauer (wenn mehr als 1/7 – 1/6 der Gesamtmuskelmasse der Körpers beansprucht wird – z. B. Laufen ) lässt sich um bis zu 40 % steigern (bezogen auf die maximale Sauerstoffaufnahme).

Die lokale aerobe dynamische Ausdauer (wenn weniger als 1/7 – 1/6 der Gesamtmuskelmasse des Körpers beansprucht wird – kleine bis mittelgroße Muskelgruppen z. B. ein Arm oder ein Bein ) lässt sich um mehrere 100 bis mehrere 1000 % steigern.

Die Kraft im Sinne der Maximalkraft ist etwa um 40 % im Vergleich zum Ausgangsniveau zu verbessern (Hollmann/Hettinger 1980).

Insgesamt zeigt sich folgendes:
Zahlreiche Untersuchungen konnten eine bestimmte Abhängigkeit von funktionellen und anatomischen Veränderungen von aktiven (Muskulatur) und passiven Strukturen (Sehnen/Bänder) in Abhängigkeit zur Trainingsdauer bzw. Trainingsintensität zeigen.

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Ingelmark konnte eine belastungsabhängige (Training) Zunahme der Zug - und Rissfestigkeit der Achillessehne durch Vergrößerung des Sehnenquerschnittes zeigen. Wichtig ist dabei, dass die Mehrbelastung (z. B. Trainingsintensität oder Umfang) nicht plötzlich stark gesteigert wird .

Beispiele aus der Praxis

Wenn das Muskelwachstum zu schnell erfolgt , kann es z. B. zu Sehnenproblemen kommen. Das sieht man immer wieder bei Leistungs-Bodybuildern, die für ihr Muskelwachstum anabole Steroide zu sich nehmen. Innerhalb kurzer Zeit sind deutliche Kraftzuwächse möglich. Die Masse der Muskulatur nimmt schnell zu. Die Sehnen können jedoch mit diesem Wachstumstempo nicht mithalten. Die Folgen können sich in Form von Sehnenrissen z. B. im Bizeps brachii oder im Bereiche der Brustmuskulatur äußern.

Kortisonspritzen in Sehnen sind aus unserer Sicht ein Risiko und nicht zu empfehlen. Ich habe immer wieder Patienten gehabt, die wegen Achillessehnenproblemen mit Kortison gespritzt worden sind. Was macht Kortison?
Es nimmt die Entzündung weg. Der Sportler hat weniger oder keine Schmerzen mehr und beginnt oftmals zu früh wieder zu trainieren. Die Schmerzen sind weg, aber die Reißfestigkeit der Sehne nimmt aufgrund der Kortisongabe ab . Die Folgen können Sehnenrisse sein. Ich hatte in den letzten Jahren einige Sportler, denen nach Kortisongabe in die Sehne nach einem halben bis einem Jahr die Achillessehne gerissen war.

Nach Sehnenverletzungen ist es wichtig zu wissen, dass die Sehnen mehr Zeit als die Muskulatur für den Trainingsaufbau benötigen. Diese Kenntnisse zur Anpassungsfähigkeit der Sehnen sind beim Reha-Training oder bei der Rückkehr in den Sportalltag unbedingt zu berücksichtigen.

Die angepasste Belastung zur Stärkung von Sehnen und Bändern sind mit Übungen geringerer Intensität und höherem Umfang , z. B. Lauf -, Hüpf - und leichte Sprungübungen anstelle von schweren Kniebeugen zur Stärkung des Sehnen-Band-Apparates durchzuführen.

Für die Bänderstärkung sind Übungen mit großen Gelenkamplituden und in allen Bewegungsrichtungen sehr wertvoll. Wir haben in der Praxis mit Liebscher & Bracht® Bewegungstherapie Übungen ( Engpass-Übungen und der Basisform ) sehr gute Erfahrungen gemacht.

Ihr Hubert Brüderlein

(Fotos: fotolia/© Spofi; WavebreakMediaMicro)

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