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02. August 2019

Nicht jede Fraktur ist gleich sichtbar

Bei Handgelenksbeschwerden unbedingt nachuntersuchen

Liebe Leserinnen und Leser,

Eine 55jährige Stenotypistin hatte nach einem Sturz Probleme mit dem Handgelenk. Wie geht es ihr heute und was sind meine Schlussfolgerungen aus der langen Behandlungsphase, die ich in den Blogs der letzten Wochen beschrieb?

Status Praesens: Die Patientin ist wieder in der Lage, beschwerdefrei Tennis zu spielen; lediglich nach einigen Stunden körperlicher Belastung verspürt sie noch einen leichten Schmerz auf der Ulnarseite des Handgelenkes, den sie aber in Kauf nimmt.

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Mein Kommentar:

Bei einem solchen Patientenbeispiel muss man als Untersuchender mehrfach aufpassen.

  1. Bei einer solchen Sturzverletzung wird immer wieder einmal eine Fraktur (z. B. Os scaphoideum) oder eine Fraktur des Processus styloideus ulnae übersehen. Trotz einer sofortigen Röntgenaufnahme kann sich eine Fraktur erst nach zwei Wochen manifestieren. Deshalb sollte sorgfältig untersucht und nachuntersucht werden. Bei einem Verdacht auf eine Fraktur (auch wenn sie durch Aufnahmen nicht sofort sichtbar geworden sind), sollte mindestens zwei Wochen ruhiggestellt und dann nachuntersucht werden.
  2. Eine Fraktur des Processus styloideus ulnae darf nicht übersehen werden. Diese ist ebenfalls manchmal nicht sofort erkennbar. Hinweise bekommt man durch den Patienten, wenn Wochen nach dem Trauma plötzlich an der Ulnaseite des Handgelenkes Beschwerden auftreten. Durch diese Art von Fraktur (Styloid ulnae) wird der dort fixierte Diskus in Mitleidenschaft gezogen.
    Dadurch können chronische Diskusprobleme mit Weichteilirritationen (z. B. Sehnenscheidenentzündungen des M. Extensor ulnaris) auftreten.
  3. Verwundert hat mich bei diesem Befund, dass die Handbeweglichkeit in Ulnar- und Radialabduktion nicht eingeschränkt war. Warum? Wenn eine Dorsal- und Volareinschränkung der Hand vorhanden ist, dann wirkt sich dies auch auf die Ulnar- und Radialabduktion des Handgelenkes aus.
  4. Bei Traumata der Hand, muss immer sorgfältig eine Fraktur der Handwurzelknochen ausgeschlossen werden. Ich habe Kollegen aus dem Physiotherapiebereich, die aufgrund eines falsch negativen Befundes ihren Beruf aufgeben mussten.
  5. Wer im Bereich der Hand Diskusprobleme hat, meidet oftmals eine Dorsalextension unter Belastung (dabei ulnare Schmerzen). Ein Beispiel wäre das Abstützen der Hand wobei der Mensch sich hochdrückt, oder enge (Handstellung) Liegestütz.
  6. Nach einem Handtrauma einschießende Schmerzen während Handaktivität (z. B. mit der Hand zugreifen), sollte der Patient dies in Richtung Handinstabilität abklären lassen.

Ihr Hubert Brüderlein

(Fotos: https://de.123rf.com/ © Puwadol Jaturawutthichai / © yodiyim)

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